Presseartikel der Allgemeinen Zeitung vom 09.06.2016

Altenbamberg 09.06.2016

Betrieb in Altenbamberg bildet zum technischen Systemplaner aus

Von Isabel Mittler

ALTENBAMBERG - Damit in einem Haus angenehm gelebt und gewohnt, in einem Unternehmen erfolgreich gearbeitet werden kann, sind jede Menge Leitungen und Kabel, Schächte, Anlagen und unterschiedlichste Technik für Lüftung, und Klima, Medien-, Wärme- oder Kälteversorgung erforderlich. Was da alles hinter den Wänden, in Keller- und Versorgungsräumen verschwindet oder Platz auf dem Dach findet, das erfordert jede Menge Fachwissen, Koordination und Absprache, mit den Verantwortlichen aller Gewerke, wie Brandschutz oder Aufzugstechnik. Gestiegene Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz und der Einbindung regenerativer Energie in Systeme und Konzepte der Gebäudetechnik sowie veränderte gesetzliche Regelungen (unter anderem zur Trinkwasserhygiene) sind mittlerweile so komplex geworden, dass Fachplaner gefragt sind. Einer von ihnen ist der „Technische Systemplaner“ in der Fachrichtung Versorgungs- und Ausrüstungstechnik.

Der Beruf ist dem Technischen Zeichner gefolgt“, erklärt Kevin Beilmann, Technischer Systemplaner und Leiter des Planungsteams bei der Ruhl TecConsult GmbH in Altenbamberg. Diese ist aus dem früheren Traditionsunternehmen Ruhl Gebäudetechnik hervorgegangen und wird von den Inhabern Mariana Ruhl (kaufmännische Leitung) und ihrem Mann, dem Diplom-Wirtschaftsingenieur Michael Ruhl (Technische Leitung), geführt. Im Betrieb beschäftigt werden sechs Vollzeitkräfte, vier Mini-Jobber, zwei Auszubildende und ein Werksstudent. Aktuell wird eine neue Nachwuchskraft gesucht, die in dem Fachbüro für TGA-Planung, Energiekonzepte und energetische Optimierung ab August eine dreieinhalbjährige Ausbildung absolvieren kann. Interessenten sind nicht leicht zu finden für einen Beruf, der sich in den vergangenen Jahren neu definiert hat, betont Mariana Ruhl.

Weite Wege für die Azubis zu den Berufsschulen

Hinzu kommt, stellt sie ehrlich fest, dass Pascal Bartholome, angehender Technischer Systemplaner aus Roxheim, und Christof Wiegland, Auszubildender im ersten Lehrjahr, einmal wöchentlich den weiten Weg zur Berufsschule in Neuwied beziehungsweise Kaiserslautern auf sich nehmen müssen. „Man gewöhnt sich aber an das frühe Aufstehen“, betonten die beiden jungen Männer. Entschädigt werde man mit dem Aufgabenspektrum des Unternehmens. Das sei mehr als spannend, auch wenn die Hauptarbeit im Büro und am Computer erledigt wird. Denn von dem Betrieb in der kleinen Alsenztalgemeinde aus werden neben dem Stammgeschäft in Rhein-Main Projekte in nahezu allen deutschen Metropolen betreut, wie zur Zeit in Berlin, München und Hamburg. In Frankfurt am Main hatte man jüngst einen Auftrag für ein 20-stöckiges Wohn-Hochhaus erhalten und durchgeführt. Da die Vorplanungen Dritter bei diesem Projekt nicht optimal verlaufen waren, musste nachgebessert und umgeplant werden. Ein Mammutprojekt, „das uns an die Grenzen gebracht, uns aber auch zusammengeschweißt hat“, betonen Kevin Beilmann und Mariana Ruhl gleichermaßen beim Rückblick. Während Christof Wiegland (17) aus Wöllstein nach der Mittleren Reife 2015 eine Ausbildung dem weiteren Schulbesuch und dem Abitur vorzog, hatte Pascal Bartholome (29) bereits ein Medien-Informatik-Studium begonnen. Seine an einige Semester anknüpfende Ausbildung endet in diesem Sommer. Beide Nachwuchskräfte sind über ein Praktikum bei der Ruhl GmbH auf den Geschmack am Beruf, für den man neben einem guten räumlichen Vorstellungsvermögen Grundkentnisse in Physik, Mathematik und Spaß am Arbeiten am Computer mitbringen sollte, gekommen. Für junge Leute, die sich für den Beruf des technischen Systemplaners oder der technischen Systemplanerin interessieren, veranschaulicht Beilmann, der selbst noch die Ausbildung zum technischen Zeichner absolviert hat, die besten Fähigkeiten, die man aufweisen sollte, folgendermaßen: „Wer gerne puzzelt, rätselt und kniffelige Aufgaben löst, der ist genau richtig.“ Für alle jungen Mitarbeiter faszinierend ist es, mit anzusehen wie zunächst am Bildschirm und auf riesigen Plänen Grundrisse entstehen, Decken, Böden und Wände eingefügt werden und die erforderliche technische Ausstattung errechnet werden muss. Immer unter der Berücksichtigung von DIN und Normen in Industrie- und Wohnungsbau, auch das Wissen um Hochhausrichtlinien und dort vorgegebene zu verwendende Materialien gehören zum Know-how der technischen Systemplaner. Im Hochhauskomplex mit knapp 250 Wohneinheiten können da schon mal 5000 Meter Rohre und Leitungen zusammenkommen, die „verplant“ werden. Die Systemplaner sind dann auch auf den Baustellen direkt anzutreffen, wenn es um Sachen Abstimmung, Projektüberprüfung und erforderliche Anpassungen geht. Ein reiner Schreibtischjob sieht also anders aus. Und wer die Gesellenprüfung in der Tasche hat, der kann sich zum Projektmanager weiterqualifizieren und dann auch noch ein Ingenieurstudium dranhängen. „Guter Berufsnachwuchs wird deutschlandweit gesucht“, sehen die Mitarbeiter der Ruhl GmbH optimistisch in die Zukunft.

Das Team